Steuerangelegenheiten in Portugal
Steuerangelegenheiten in Portugal: Steuern, Steuerpflicht und wichtige Verfahren
Portugal ist für Privatpersonen, Unternehmer und internationale Investoren ein wichtiger europäischer Wirtschaftsstandort. Wer in Portugal lebt, arbeitet, Immobilien besitzt oder ein Unternehmen betreibt, muss sich jedoch mit den portugiesischen Steuerregelungen auseinandersetzen.
Das portugiesische Steuersystem unterscheidet insbesondere zwischen der Besteuerung natürlicher Personen, der Körperschaftsteuer für Unternehmen sowie der Mehrwertsteuer. Für ausländische Staatsangehörige ist vor allem die Frage der steuerlichen Ansässigkeit von Bedeutung, da diese maßgeblich bestimmt, welche Einkünfte in Portugal steuerlich erfasst werden.
Die zuständige Behörde ist die portugiesische Autoridade Tributária e Aduaneira (AT), also die portugiesische Steuer- und Zollverwaltung.
1. Steuerliche Identifikationsnummer – NIF
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für steuerliche und zahlreiche administrative Vorgänge in Portugal ist die NIF (Número de Identificação Fiscal).
Die NIF dient als persönliche beziehungsweise steuerliche Identifikationsnummer und wird unter anderem bei zahlreichen Rechts- und Geschäftsbeziehungen benötigt. Für Ausländer kann sie beispielsweise bei der Eröffnung eines Bankkontos, beim Abschluss bestimmter Verträge, beim Erwerb von Immobilien oder bei der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit von Bedeutung sein.
Wer dauerhaft nach Portugal zieht oder dort wirtschaftlich tätig werden möchte, sollte deshalb frühzeitig prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine portugiesische NIF benötigt wird.
2. Steuerliche Ansässigkeit in Portugal
Die steuerliche Ansässigkeit ist einer der wichtigsten Punkte des portugiesischen Steuerrechts.
Nach den aktuellen Regeln gilt eine Person grundsätzlich als steuerlich in Portugal ansässig, wenn sie sich während des maßgeblichen Zeitraums mehr als 183 Tage, aufeinanderfolgend oder nicht aufeinanderfolgend, in Portugal aufhält. Auch bei einem kürzeren Aufenthalt kann eine steuerliche Ansässigkeit entstehen, wenn die betreffende Person in Portugal über eine Wohnung verfügt, die erkennen lässt, dass sie diese als gewöhnlichen Wohnsitz beibehalten und bewohnen möchte.
Die steuerliche Ansässigkeit darf daher nicht ausschließlich anhand der Anzahl der Aufenthaltstage beurteilt werden. Auch die tatsächlichen Lebensumstände können relevant sein.
3. Besteuerung von Steuerresidenten und Nichtresidenten
Die steuerliche Ansässigkeit hat erhebliche Auswirkungen auf den Umfang der portugiesischen Steuerpflicht.
Steuerresidenten werden grundsätzlich hinsichtlich ihrer weltweiten Einkünfte in Portugal besteuert. Nicht steuerlich ansässige Personen unterliegen grundsätzlich der portugiesischen Besteuerung hinsichtlich ihrer in Portugal erzielten beziehungsweise Portugal zuzurechnenden Einkünfte.
Bei Personen mit Einkünften aus mehreren Ländern müssen zusätzlich die jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen berücksichtigt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass dasselbe Einkommen ohne entsprechende Entlastungsmechanismen in mehreren Staaten vollständig besteuert wird.
4. Einkommensteuer für natürliche Personen – IRS
Die portugiesische Einkommensteuer wird als IRS (Imposto sobre o Rendimento das Pessoas Singulares) bezeichnet.
Sie betrifft insbesondere natürliche Personen mit steuerpflichtigen Einkünften. Dazu können beispielsweise gehören:
- Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit,
- Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit,
- Renten und Pensionen,
- Einkünfte aus Vermietung,
- Kapitalerträge,
- bestimmte Veräußerungsgewinne.
Welche Steuerlast tatsächlich entsteht, hängt von der Art und Höhe der Einkünfte sowie von den jeweils geltenden gesetzlichen Regelungen, Abzügen und persönlichen Umständen ab.
Für Personen mit ausländischen Einkünften ist eine sorgfältige Analyse besonders wichtig, da die portugiesische Steuerpflicht bei Steuerresidenten grundsätzlich über Portugal erzielte Einkünfte hinausgehen kann.
5. Steuererklärung und Nachweispflichten
Personen, die in Portugal steuerpflichtige Einkünfte erzielen, müssen je nach persönlicher Situation entsprechende Steuererklärungen abgeben.
Dabei müssen die Einkünfte korrekt kategorisiert und die erforderlichen Nachweise aufbewahrt werden. Bei internationalen Sachverhalten können zusätzlich ausländische Steuerbescheinigungen, Bankunterlagen oder Nachweise über bereits im Ausland gezahlte Steuern erforderlich sein.
Besonders bei mehreren Einkommensquellen empfiehlt sich eine frühzeitige Vorbereitung der Steuererklärung.
6. Körperschaftsteuer – IRC
Unternehmen unterliegen in Portugal grundsätzlich der IRC (Imposto sobre o Rendimento das Pessoas Coletivas).
Das portugiesische Körperschaftsteuergesetz sieht vor, dass der IRC insbesondere auf die Gewinne von Gesellschaften und anderen juristischen Personen mit einer entsprechenden wirtschaftlichen Tätigkeit erhoben wird.
Gesellschaften mit Sitz oder effektiver Geschäftsleitung in Portugal werden grundsätzlich hinsichtlich ihrer steuerlich relevanten Einkünfte in Portugal erfasst. Für bestimmte ausländische Unternehmen gelten dagegen besondere Regeln, insbesondere wenn sie in Portugal über eine Betriebsstätte verfügen.
7. Körperschaftsteuer für Unternehmen
Die Höhe der IRC-Belastung hängt unter anderem von der Art und Größe des Unternehmens sowie von den jeweils geltenden gesetzlichen Regelungen ab.
Die portugiesischen Vorschriften sehen beispielsweise besondere Regelungen für kleine und mittlere Unternehmen vor. In der aktuellen Fassung des portugiesischen Körperschaftsteuergesetzes wird für bestimmte KMU auf einen ersten Teil der steuerpflichtigen Bemessungsgrundlage ein reduzierter Satz angewendet; für bestimmte qualifizierte Start-ups können zusätzliche Vergünstigungen vorgesehen sein.
Da sich die Steuersätze und Voraussetzungen durch Haushaltsgesetze ändern können, sollten Unternehmen für jedes Steuerjahr die aktuell geltenden Bestimmungen prüfen.
8. Mehrwertsteuer – IVA
Neben der Einkommen- und Körperschaftsteuer spielt die portugiesische Mehrwertsteuer (IVA – Imposto sobre o Valor Acrescentado) eine zentrale Rolle.
Unternehmen müssen prüfen, ob ihre Lieferungen und Dienstleistungen der portugiesischen Mehrwertsteuer unterliegen. Dabei können insbesondere folgende Faktoren entscheidend sein:
- Art der Leistung,
- Ort der Leistung,
- Sitz des Unternehmens,
- Status des Kunden,
- innergemeinschaftliche Geschäfte,
- Einfuhr oder Ausfuhr,
- mögliche Steuerbefreiungen.
Bei grenzüberschreitenden Geschäften innerhalb der Europäischen Union können besondere umsatzsteuerliche Regeln gelten. Unternehmen sollten deshalb insbesondere bei internationalen Dienstleistungen und Warenlieferungen eine korrekte umsatzsteuerliche Behandlung sicherstellen.
9. Steuern beim Immobilienbesitz
Immobilien in Portugal können verschiedene steuerliche Verpflichtungen auslösen.
Für Eigentümer können insbesondere kommunale beziehungsweise immobilienbezogene Steuern relevant sein. Beim Erwerb einer Immobilie können darüber hinaus Transaktionssteuern und gegebenenfalls Stempelsteuer anfallen.
Auch beim Verkauf einer Immobilie können steuerliche Folgen entstehen. Dabei kann insbesondere ein Veräußerungsgewinn relevant sein.
Ausländische Immobilienkäufer sollten daher nicht nur den Kaufpreis berücksichtigen, sondern bereits vor Abschluss des Kaufvertrags die möglichen steuerlichen Folgekosten prüfen.
10. Steuerliche Behandlung von Vermietungseinkünften
Wer eine Immobilie in Portugal vermietet, muss die daraus erzielten Einkünfte grundsätzlich steuerlich berücksichtigen.
Die konkrete steuerliche Behandlung hängt unter anderem davon ab, ob es sich um eine langfristige Vermietung, eine kurzfristige touristische Vermietung oder eine andere Form der Nutzung handelt.
Auch die Kosten, die mit der Immobilie verbunden sind, können je nach Steuerkategorie und geltenden Vorschriften unterschiedlich behandelt werden. Eine korrekte Einordnung ist deshalb insbesondere für ausländische Eigentümer wichtig.
11. Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne
Auch Dividenden, Zinsen und bestimmte Gewinne aus der Veräußerung von Vermögenswerten können steuerlich relevant sein.
Bei Personen mit internationalen Kapitalanlagen muss geprüft werden, in welchem Staat die jeweiligen Einkünfte besteuert werden dürfen und ob ein Doppelbesteuerungsabkommen Anwendung findet.
Für Unternehmen sieht das portugiesische Körperschaftsteuerrecht ebenfalls besondere Regeln für in Portugal erzielte Einkünfte und bestimmte ausländische Einkünfte vor.
12. Internationale Steuerfälle und Doppelbesteuerung
Für Personen und Unternehmen mit wirtschaftlichen Verbindungen zu mehreren Staaten ist die internationale Steuerplanung besonders wichtig.
Ein in Deutschland, der Türkei oder einem anderen Staat ansässiger Unternehmer kann beispielsweise Einkünfte aus Portugal erzielen, ohne automatisch in allen Bereichen portugiesischer Steuerresident zu werden. Umgekehrt kann eine Person, die nach Portugal umzieht, durch den Wechsel ihrer steuerlichen Ansässigkeit eine umfassendere portugiesische Steuerpflicht auslösen.
Doppelbesteuerungsabkommen können in solchen Fällen eine entscheidende Rolle spielen. Ihre Anwendung hängt jedoch von den konkreten Einkünften und den jeweiligen Voraussetzungen ab.
13. Änderung der steuerlichen Adresse
Wer seinen steuerlichen Status von Nichtresident zu Resident ändert, muss dies der portugiesischen Steuerverwaltung entsprechend melden.
Nach den aktuellen Informationen der portugiesischen Steuerverwaltung besteht grundsätzlich eine 60-Tage-Frist, um die Änderung der Adresse beziehungsweise des steuerlichen Status gegenüber der Autoridade Tributária zu melden, sobald die Voraussetzungen für die steuerliche Ansässigkeit erfüllt sind.
Eine verspätete oder fehlerhafte Änderung kann zu administrativen Problemen führen. Daher sollte die steuerliche Registrierung zeitnah überprüft werden.
14. Steuerpflicht von Unternehmen mit ausländischen Eigentümern
Eine portugiesische Gesellschaft mit ausländischen Gesellschaftern unterliegt grundsätzlich nicht allein deshalb einem anderen portugiesischen Körperschaftsteuersystem. Entscheidend sind unter anderem Sitz beziehungsweise effektive Geschäftsleitung, Art der Geschäftstätigkeit und gegebenenfalls das Vorliegen einer Betriebsstätte.
Nach dem portugiesischen Körperschaftsteuergesetz unterliegen Gesellschaften mit Sitz oder effektiver Geschäftsleitung in Portugal grundsätzlich der portugiesischen Körperschaftsteuer auf ihre relevanten Einkünfte.
Für internationale Unternehmensstrukturen können zusätzlich Verrechnungspreisregeln, Quellensteuern und internationale Steuerabkommen relevant werden.
15. Warum eine professionelle Steuerberatung wichtig ist
Das portugiesische Steuerrecht besteht aus zahlreichen Einzelregelungen. Besonders komplex können Sachverhalte sein, bei denen eine Person gleichzeitig:
- in Portugal lebt,
- ausländische Einkünfte erzielt,
- Immobilien besitzt,
- ein portugiesisches Unternehmen betreibt,
- Einkünfte aus mehreren Staaten erhält oder
- grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen unterhält.
Eine falsche Einschätzung der steuerlichen Ansässigkeit oder eine verspätete Meldung gegenüber der Steuerverwaltung kann erhebliche Konsequenzen haben.
16. Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique
Bei internationalen Steuerangelegenheiten kann eine rechtliche und steuerliche Prüfung sinnvoll sein, bevor langfristige Entscheidungen getroffen werden.
cosmos legal Cabinet juridique kann bei der strukturierten Vorbereitung portugiesischer Steuerangelegenheiten unterstützen. Dazu können beispielsweise die Analyse der steuerlichen Situation, die Prüfung von Dokumenten, die Begleitung bei administrativen Verfahren sowie die Koordination grenzüberschreitender rechtlicher Fragestellungen gehören.
Insbesondere bei einem Umzug nach Portugal, einer Unternehmensgründung, Immobilieninvestitionen oder internationalen Einkünften sollte die individuelle Situation gesondert geprüft werden.
17. Fazit
Die portugiesischen Steuerangelegenheiten betreffen sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen. Besonders wichtig ist zunächst die Feststellung der steuerlichen Ansässigkeit, da diese maßgeblich beeinflusst, welche Einkünfte in Portugal steuerlich erfasst werden. Nach den aktuellen portugiesischen Regeln können insbesondere ein Aufenthalt von mehr als 183 Tagen oder eine dauerhaft angelegte Wohnsituation in Portugal zur steuerlichen Ansässigkeit führen.
Für Privatpersonen stehen vor allem IRS, Immobilien- und gegebenenfalls Kapitalertragsteuern im Mittelpunkt. Unternehmen müssen dagegen insbesondere IRC, IVA sowie Buchführungs- und Meldepflichten berücksichtigen.
Da sich Steuersätze, Vergünstigungen und Verwaltungsverfahren ändern können, sollten insbesondere internationale Steuerfälle anhand der zum jeweiligen Steuerjahr geltenden portugiesischen Vorschriften geprüft werden. Eine frühzeitige und sorgfältige Vorbereitung kann dazu beitragen, steuerliche Risiken und unnötige administrative Schwierigkeiten zu vermeiden.
