Portugiesische Staatsbürgerschaft
Portugiesische Staatsbürgerschaft: Voraussetzungen, Einbürgerung und Verfahren
Die portugiesische Staatsbürgerschaft ist für viele Ausländer ein wichtiges langfristiges Ziel. Sie kann unter anderem durch Abstammung, Geburt, Ehe, Adoption oder Einbürgerung erworben werden. Für Personen, die dauerhaft in Portugal leben, spielt insbesondere die Einbürgerung aufgrund eines längeren rechtmäßigen Aufenthalts eine wichtige Rolle.
Das portugiesische Staatsangehörigkeitsrecht wurde jedoch im Jahr 2026 erheblich geändert. Die neuen Vorschriften traten am 19. Mai 2026 in Kraft und haben unter anderem die Voraussetzungen für die Einbürgerung verschärft. Für neue Anträge gelten deshalb teilweise andere Voraussetzungen als nach der früheren Rechtslage.
1. Wer kann die portugiesische Staatsbürgerschaft erhalten?
Nach den Informationen des portugiesischen Justizministeriums kann die portugiesische Staatsangehörigkeit unter anderem erworben werden, wenn eine Person:
- portugiesische Eltern hat,
- unter bestimmten Voraussetzungen in Portugal geboren wurde,
- mit einem portugiesischen Staatsbürger verheiratet ist,
- die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllt,
- bestimmte familiäre Verbindungen zu portugiesischen Staatsbürgern nachweisen kann.
Darüber hinaus bestehen besondere Regelungen für weitere Personengruppen. Die konkrete Rechtsgrundlage hängt daher immer von der persönlichen Situation des Antragstellers ab.
2. Einbürgerung durch Aufenthalt in Portugal
Eine der wichtigsten Möglichkeiten für ausländische Staatsangehörige ist die Einbürgerung aufgrund eines langfristigen Aufenthalts in Portugal.
Hier ist allerdings die seit 2026 geltende neue Rechtslage besonders wichtig. Nach der Änderung der portugiesischen Staatsangehörigkeitsgesetzgebung beträgt die erforderliche Aufenthaltsdauer für die Einbürgerung grundsätzlich:
- sieben Jahre für Staatsangehörige portugiesischsprachiger Länder und von EU-Mitgliedstaaten,
- zehn Jahre für Staatsangehörige anderer Staaten.
Die neue Regelung gilt für Anträge, die nach dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung eingereicht wurden. Für bereits anhängige Verfahren gilt grundsätzlich die vorherige Rechtslage.
Damit ist die früher häufig genannte allgemeine Fünfjahresfrist für neue Einbürgerungsanträge nicht mehr uneingeschränkt maßgeblich.
3. Bedeutung des rechtmäßigen Aufenthalts
Der Aufenthaltsstatus ist für die Einbürgerung von zentraler Bedeutung. Wer über mehrere Jahre in Portugal lebt, sollte daher seine Aufenthaltstitel, Verlängerungen und sonstigen Nachweise sorgfältig aufbewahren.
Die portugiesische Einbürgerung ist außerdem von der dauerhaften Aufenthaltserlaubnis zu unterscheiden. Eine Person kann zunächst ein befristetes Aufenthaltsrecht besitzen, später einen dauerhaften Aufenthaltstitel erhalten und unter den gesetzlichen Voraussetzungen zusätzlich die portugiesische Staatsangehörigkeit beantragen.
AIMA verlangt für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis grundsätzlich mindestens fünf Jahre mit einer befristeten Aufenthaltserlaubnis sowie unter anderem einen Nachweis grundlegender Portugiesischkenntnisse.
4. Portugiesische Staatsbürgerschaft durch Abstammung
Eine weitere wichtige Möglichkeit besteht für Personen portugiesischer Abstammung.
Wer beispielsweise im Ausland geboren wurde und portugiesische Eltern hat, kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen die portugiesische Staatsangehörigkeit erwerben. Die portugiesischen Behörden unterscheiden hierbei zwischen verschiedenen Formen der Abstammung und danach, ob die portugiesische Staatsangehörigkeit der Eltern bereits zum Zeitpunkt der Geburt bestand.
Durch die Reform von 2026 wurde der Zugang in bestimmten Konstellationen außerdem auf Urenkel portugiesischer Staatsbürger ausgeweitet. Gleichzeitig wurden andere frühere Sonderregelungen abgeschafft oder verändert.
Deshalb sollte bei einem Antrag aufgrund portugiesischer Abstammung die gesamte familiäre Linie anhand offizieller Personenstandsurkunden geprüft werden.
5. Staatsbürgerschaft durch Ehe
Auch die Ehe mit einem portugiesischen Staatsbürger kann eine Grundlage für den Erwerb der portugiesischen Staatsangehörigkeit darstellen.
Die Eheschließung führt jedoch nicht automatisch dazu, dass der ausländische Ehepartner portugiesischer Staatsbürger wird. Vielmehr muss ein entsprechender Antrag gestellt werden und die gesetzlichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein.
Bei der Prüfung können unter anderem die Dauer und rechtliche Gültigkeit der Ehe sowie die tatsächliche Verbindung zum portugiesischen Staat eine Rolle spielen.
6. Kinder ausländischer Eltern, die in Portugal geboren wurden
Das portugiesische Recht enthält besondere Regelungen für Kinder ausländischer Eltern, die in Portugal geboren werden.
Durch die Gesetzesänderung von 2026 wurden die Voraussetzungen teilweise neu formuliert. Bei bestimmten Kindern, die in Portugal geboren wurden, kann unter anderem eine mindestens fünfjährige rechtmäßige Aufenthaltsdauer eines Elternteils eine Rolle spielen. Zusätzlich können je nach Alter des Kindes Anforderungen hinsichtlich des Schulbesuchs und weitere gesetzliche Voraussetzungen bestehen.
Die konkrete Prüfung hängt daher insbesondere vom Geburtszeitpunkt des Kindes, dem Aufenthaltsstatus der Eltern und den jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen ab.
7. Portugiesische Sprachkenntnisse
Portugiesischkenntnisse können im Einbürgerungsverfahren eine wichtige Voraussetzung darstellen. Antragsteller sollten daher darauf vorbereitet sein, ihre Kenntnisse der portugiesischen Sprache durch geeignete Nachweise zu belegen, sofern dies für ihre jeweilige Einbürgerungskategorie erforderlich ist.
Die portugiesischen Behörden unterscheiden zwischen verschiedenen gesetzlichen Erwerbswegen. Deshalb sollte nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass für jeden Antrag dieselben Sprach- und Integrationsnachweise erforderlich sind.
8. Strafrechtliche Voraussetzungen und weitere Ausschlussgründe
Auch die persönliche rechtliche Situation des Antragstellers kann für die Einbürgerung relevant sein.
Die portugiesischen Staatsangehörigkeitsvorschriften sehen Ausschlussgründe und besondere Anforderungen vor. Unter anderem können bestimmte strafrechtliche Verurteilungen oder eine Beteiligung an terroristischen Aktivitäten einer Einbürgerung entgegenstehen.
Bei besonderen Einbürgerungswegen gelten teilweise zusätzliche Anforderungen. Deshalb sollte vor Antragstellung geprüft werden, ob aus strafrechtlicher oder sonstiger rechtlicher Sicht Hindernisse bestehen.
9. Welche Dokumente werden benötigt?
Die erforderlichen Unterlagen hängen von der jeweiligen Einbürgerungsgrundlage ab. Typischerweise können unter anderem folgende Dokumente relevant sein:
- gültiger Reisepass oder Identitätsnachweis,
- Geburtsurkunde,
- Nachweise über die portugiesische Abstammung, sofern relevant,
- Heiratsurkunde bei einem Antrag aufgrund einer Ehe,
- Nachweise über den Aufenthalt in Portugal,
- Nachweis der portugiesischen Sprachkenntnisse, soweit erforderlich,
- gegebenenfalls Führungszeugnisse oder vergleichbare Dokumente,
- weitere Dokumente entsprechend der jeweiligen gesetzlichen Grundlage.
Ausländische Personenstandsurkunden müssen je nach Herkunftsland und Dokument häufig legalisiert oder mit einer Apostille versehen und gegebenenfalls ins Portugiesische übersetzt werden.
10. Wo wird der Antrag gestellt?
Das portugiesische Justizministerium bietet verschiedene Möglichkeiten zur Einreichung eines Staatsangehörigkeitsantrags an. Nach den aktuellen Informationen können Anträge unter anderem per Post eingereicht werden. Außerdem besteht ein Online-Verfahren für bestimmte professionelle Nutzer, insbesondere Rechtsanwälte und Solicitors.
Welche Einreichungsform im konkreten Fall sinnvoll oder zulässig ist, hängt von der jeweiligen Kategorie und der Vertretung durch einen professionellen Bevollmächtigten ab.
11. Änderung der Rechtslage im Jahr 2026
Die Reform des portugiesischen Staatsangehörigkeitsrechts ist für Antragsteller besonders wichtig. Die am 19. Mai 2026 in Kraft getretene Änderung hat mehrere Bereiche neu geregelt.
Neben den verlängerten Aufenthaltsfristen für die Einbürgerung wurden unter anderem Regelungen zur Abstammung, zur Staatsangehörigkeit von in Portugal geborenen Kindern und zur Adoption geändert. Das Sonderverfahren für Nachkommen portugiesischer Sepharden wurde ebenfalls abgeschafft.
Da die praktische Umsetzung einzelner Bestimmungen zusätzliche Regelungen erforderte beziehungsweise erfordert, sollten Antragsteller nicht ausschließlich auf ältere Informationen oder frühere Erfahrungswerte zurückgreifen.
12. Verhältnis zwischen Aufenthalt und Staatsangehörigkeit
Ein portugiesischer Aufenthaltstitel und die portugiesische Staatsangehörigkeit sind zwei unterschiedliche Rechtspositionen.
Ein Aufenthaltstitel ermöglicht unter den jeweiligen Voraussetzungen das Leben und Arbeiten in Portugal. Die Staatsangehörigkeit geht wesentlich weiter und kann unter anderem das Recht auf einen portugiesischen Pass sowie die Rechte eines EU-Bürgers vermitteln.
Ein langfristiger Aufenthalt kann daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einbürgerung sein, führt aber nicht automatisch zur portugiesischen Staatsangehörigkeit.
13. Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique
Ein Antrag auf portugiesische Staatsangehörigkeit sollte sorgfältig vorbereitet werden, insbesondere wenn mehrere mögliche Rechtsgrundlagen in Betracht kommen oder die familiäre beziehungsweise aufenthaltsrechtliche Situation komplex ist.
cosmos legal Cabinet juridique kann bei der strukturierten Vorbereitung eines Staatsangehörigkeitsverfahrens unterstützen. Dazu können beispielsweise die Prüfung der persönlichen Voraussetzungen, die Zusammenstellung der erforderlichen Dokumente und die Begleitung bei rechtlich komplexen Einbürgerungsfällen gehören.
Gerade nach den Änderungen des Jahres 2026 ist eine Prüfung anhand der zum Zeitpunkt der Antragstellung geltenden Rechtslage besonders wichtig.
14. Fazit
Die portugiesische Staatsangehörigkeit kann auf verschiedenen Wegen erworben werden. Dazu gehören insbesondere Abstammung, Geburt, Ehe und Einbürgerung aufgrund eines längeren Aufenthalts.
Für Personen, die Portugal als langfristigen Lebensmittelpunkt wählen, ist die Einbürgerung besonders relevant. Seit der Reform vom 19. Mai 2026 gelten jedoch neue Aufenthaltsfristen für die Einbürgerung: grundsätzlich sieben Jahre für bestimmte privilegierte Gruppen, darunter EU-Staatsangehörige und Staatsangehörige portugiesischsprachiger Länder, und zehn Jahre für Staatsangehörige anderer Staaten.
Da das portugiesische Staatsangehörigkeitsrecht derzeit im Wandel ist, sollten Antragsteller ihre konkrete Situation anhand der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen prüfen lassen. Eine vollständige Dokumentation des Aufenthalts, der familiären Beziehungen und der persönlichen Voraussetzungen kann dabei eine wichtige Grundlage für ein ordnungsgemäßes Verfahren bilden.
