INTERPOL in Portugal

Ana Sayfa /Makaleler /INTERPOL in Portugal
13.09.2026 Hukuk

INTERPOL in Portugal

INTERPOL in Portugal: Internationale Fahndung und strafrechtliche Zusammenarbeit

Die internationale Kriminalität macht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden verschiedener Staaten erforderlich. Portugal ist seit 1930 Mitglied von INTERPOL und verfügt über ein Nationales Zentralbüro (National Central Bureau – NCB) in Lissabon. Dieses ist in die portugiesische Kriminalpolizei Polícia Judiciária (PJ) eingebunden und bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen den portugiesischen Behörden und den internationalen INTERPOL-Strukturen.

Die Zusammenarbeit ist insbesondere bei grenzüberschreitender organisierter Kriminalität, Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel, Geldwäsche, Cyberkriminalität sowie bei der Fahndung nach flüchtigen Personen von Bedeutung.

1. Was ist INTERPOL?

INTERPOL ist die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation und umfasst derzeit 196 Mitgliedstaaten. Die Organisation ermöglicht es nationalen Polizeibehörden, Informationen über Straftaten und gesuchte Personen auszutauschen und bei internationalen Ermittlungen zusammenzuarbeiten.

INTERPOL ist jedoch keine internationale Polizei mit eigenen Polizeibeamten, die in Portugal selbstständig Festnahmen durchführen könnte. Die eigentlichen Ermittlungen und Zwangsmaßnahmen werden von den zuständigen nationalen Behörden nach dem jeweiligen nationalen Recht durchgeführt.

Diese Unterscheidung ist insbesondere bei internationalen Fahndungen von großer Bedeutung.

2. Das INTERPOL-Nationalbüro in Portugal

Das portugiesische National Central Bureau (NCB) befindet sich in Lissabon und ist organisatorisch Teil der Polícia Judiciária.

Nach Angaben von INTERPOL ist das portugiesische NCB unter anderem mit der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit, der Bekämpfung schwerer Kriminalität, der Verfolgung flüchtiger Personen und der Nutzung internationaler Datenbanken befasst. Das NCB wird durch Polizeibeamte verschiedener portugiesischer Sicherheitsbehörden unterstützt.

Dadurch können portugiesische Behörden Informationen aus internationalen Fahndungs- und Kriminaldatenbanken abrufen und Informationen an ausländische Partnerbehörden übermitteln.

3. Aufgaben des portugiesischen NCB

Das NCB in Lissabon erfüllt insbesondere eine Vermittlungsfunktion zwischen Portugal und den INTERPOL-Mitgliedstaaten.

Zu seinen Aufgaben können unter anderem gehören:

  • Austausch kriminalpolizeilicher Informationen,
  • Unterstützung grenzüberschreitender Ermittlungen,
  • internationale Fahndung nach flüchtigen Personen,
  • Abgleich von Identitäts- und Fahndungsdaten,
  • Unterstützung bei internationalen Polizeieinsätzen,
  • Zusammenarbeit mit anderen National Central Bureaus,
  • Nutzung internationaler INTERPOL-Datenbanken.

INTERPOL beschreibt die National Central Bureaus allgemein als zentrale Verbindungsstellen zwischen den nationalen Polizeibehörden und dem weltweiten INTERPOL-Netzwerk.

4. INTERPOL und organisierte Kriminalität in Portugal

Portugal liegt an wichtigen internationalen Verkehrs- und Schifffahrtsrouten zwischen Europa, Afrika und Amerika. Dadurch können grenzüberschreitende Kriminalitätsformen für die portugiesischen Strafverfolgungsbehörden von besonderer Bedeutung sein.

INTERPOL nennt insbesondere:

  • Drogenhandel,
  • Waffenhandel,
  • Menschenhandel,
  • Geldwäsche,
  • Cyberkriminalität,
  • Terrorismus,
  • organisierte Kriminalität

als Bereiche, in denen das portugiesische NCB eine wichtige Rolle spielt.

Die internationale Zusammenarbeit ermöglicht es portugiesischen Behörden, Informationen über Personen, kriminelle Netzwerke und grenzüberschreitende Aktivitäten mit ausländischen Behörden auszutauschen.

5. Die Red Notice

Eine der bekanntesten INTERPOL-Maßnahmen ist die Red Notice.

Eine Red Notice ist eine internationale Fahndungsmitteilung mit dem Ziel, den Aufenthaltsort einer gesuchten Person festzustellen und gegebenenfalls eine vorläufige Festnahme im Hinblick auf eine Auslieferung, Übergabe oder eine vergleichbare rechtliche Maßnahme zu ermöglichen.

Wichtig ist jedoch:

Eine Red Notice ist kein internationaler Haftbefehl.

INTERPOL selbst erlässt keinen Haftbefehl und entscheidet auch nicht darüber, ob eine Person in Portugal festgenommen wird. Ob eine Festnahme erfolgt, richtet sich nach dem nationalen Recht des Staates, in dem sich die betreffende Person befindet.

6. Wer wird über eine Red Notice gesucht?

Eine Red Notice kann insbesondere beantragt werden, wenn eine Person wegen einer schweren Straftat zur Strafverfolgung gesucht wird oder eine bereits verhängte Freiheitsstrafe zu vollstrecken ist.

Dabei ist zwischen zwei Situationen zu unterscheiden:

  1. Die Person wird zur Strafverfolgung gesucht und ist noch nicht rechtskräftig verurteilt.
  2. Die Person wurde bereits verurteilt und soll eine Strafe verbüßen.

INTERPOL weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Red Notice keine eigene Feststellung der Schuld enthält. Bei einer Person, die lediglich zur Strafverfolgung gesucht wird, gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

7. Voraussetzungen für eine Red Notice

Nicht jede strafrechtliche Angelegenheit kann zu einer Red Notice führen.

INTERPOL prüft die Anträge anhand seiner eigenen Regeln. Red Notices sind grundsätzlich für schwere Straftaten des allgemeinen Strafrechts vorgesehen.

Bestimmte Sachverhalte sind ausdrücklich ausgeschlossen. Dazu können beispielsweise bestimmte rein private oder familiäre Angelegenheiten sowie bestimmte administrative oder private Streitigkeiten gehören.

Darüber hinaus muss eine Red Notice mit der INTERPOL-Verfassung und den geltenden Regeln über die Verarbeitung von Daten vereinbar sein.

8. Prüfung durch INTERPOL

Bevor eine Red Notice veröffentlicht wird, wird der Antrag auf seine Vereinbarkeit mit den INTERPOL-Regeln geprüft.

Die zuständige Notices and Diffusions Task Force besteht aus Fachleuten verschiedener Bereiche, darunter Juristen und Polizeispezialisten. Sie prüft unter anderem die übermittelten Informationen und die rechtliche Grundlage der Fahndung.

Wird festgestellt, dass eine Notice nicht mit den geltenden Regeln vereinbar ist, kann ihre Veröffentlichung verweigert beziehungsweise eine bereits bestehende Notice gelöscht werden.

9. INTERPOL und Auslieferungsverfahren

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Abgrenzung zwischen INTERPOL-Fahndung und Auslieferung.

INTERPOL selbst führt keine Auslieferungsverfahren durch. Die Organisation weist ausdrücklich darauf hin, dass Auslieferungsersuchen von den zuständigen nationalen Behörden gestellt werden.

Eine Red Notice kann daher die internationale Fahndung unterstützen, ersetzt aber nicht das eigentliche Auslieferungsverfahren.

Wenn eine gesuchte Person in Portugal angetroffen wird, müssen die portugiesischen Behörden anhand des portugiesischen Rechts und der anwendbaren internationalen beziehungsweise europäischen Rechtsinstrumente prüfen, welche Maßnahmen zulässig sind.

10. INTERPOL und europäische Zusammenarbeit

Portugal ist Mitglied der Europäischen Union. Deshalb existieren neben INTERPOL weitere Mechanismen der internationalen strafrechtlichen Zusammenarbeit.

Innerhalb der EU spielen insbesondere Instrumente der justiziellen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Anerkennung gerichtlicher Entscheidungen eine wichtige Rolle.

Je nach Sachverhalt können deshalb neben INTERPOL auch europäische Behörden und Systeme beteiligt sein. Bei einer gesuchten Person muss daher immer geprüft werden, welches konkrete rechtliche Instrument Anwendung findet.

11. Weitere INTERPOL-Notices

INTERPOL verfügt neben der Red Notice über verschiedene weitere Arten internationaler Fahndungs- und Informationsmitteilungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Yellow Notice – Suche nach vermissten Personen,
  • Blue Notice – zusätzliche Informationen über eine Person im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen Untersuchung,
  • Green Notice – Warnung vor einer Person, die möglicherweise eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt,
  • Black Notice – Informationen über nicht identifizierte Leichen,
  • Purple Notice – Informationen über Vorgehensweisen, Gegenstände oder Verstecke im Zusammenhang mit Kriminalität.

Die Notices dienen damit nicht ausschließlich der Festnahme gesuchter Personen, sondern auch dem internationalen Informationsaustausch.

12. Schutz personenbezogener Daten

Der internationale Austausch kriminalpolizeilicher Informationen berührt unmittelbar den Schutz personenbezogener Daten.

INTERPOL verfügt deshalb über eigene Regeln für die Verarbeitung der übermittelten Informationen. Die Daten müssen insbesondere mit den einschlägigen INTERPOL-Regeln vereinbar sein.

Dies ist besonders wichtig, wenn eine Person der Ansicht ist, dass über sie falsche, unvollständige oder nicht mehr aktuelle Informationen verarbeitet werden.

13. Rechtsschutz und die CCF

Für Personen, die von einer INTERPOL-Datenverarbeitung betroffen sind, existiert die Commission for the Control of INTERPOL’s Files (CCF).

Die CCF ist ein unabhängiges Organ, das unter anderem Beschwerden über die Verarbeitung personenbezogener Daten im INTERPOL-System behandelt.

INTERPOL weist darauf hin, dass entsprechende Anträge grundsätzlich kostenlos und vertraulich behandelt werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine betroffene Person daher überprüfen lassen, ob die Verarbeitung ihrer Daten mit den INTERPOL-Regeln vereinbar ist.

14. Löschung einer Red Notice

Eine Red Notice kann unter bestimmten Voraussetzungen gelöscht werden.

Dies kann beispielsweise geschehen, wenn sich herausstellt, dass die Voraussetzungen für ihre Aufrechterhaltung nicht mehr bestehen oder die Notice gegen die INTERPOL-Regeln verstößt.

Wird eine Red Notice gelöscht, wird sie aus den INTERPOL-Datenbanken entfernt und die Mitgliedstaaten werden über die Entscheidung informiert.

Eine solche Löschung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das zugrunde liegende nationale Strafverfahren oder ein nationaler Haftbefehl ebenfalls beendet ist. Diese Fragen müssen getrennt betrachtet werden.

15. Bedeutung für Personen mit Bezug zu Portugal

Für Personen, die in Portugal leben, reisen oder geschäftlich tätig sind, können internationale Fahndungsmaßnahmen erhebliche Konsequenzen haben.

Besonders relevant kann dies sein, wenn eine Person:

  • in einem anderen Staat strafrechtlich verfolgt wird,
  • Gegenstand eines internationalen Fahndungsersuchens ist,
  • eine internationale Haftanordnung gegen sie besteht,
  • nach einer Verurteilung gesucht wird,
  • regelmäßig zwischen verschiedenen Staaten reist.

Eine Red Notice sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend sind sowohl die INTERPOL-Daten als auch die zugrunde liegende nationale oder internationale gerichtliche Entscheidung.

16. Internationale Ermittlungen und Unternehmen

INTERPOL-Zusammenarbeit betrifft nicht nur natürliche Personen. Auch Unternehmen können mittelbar von internationalen Ermittlungen betroffen sein.

Dies gilt beispielsweise bei:

  • Geldwäsche,
  • internationalem Betrug,
  • Korruption,
  • Cyberkriminalität,
  • Menschenhandel,
  • organisierter Kriminalität,
  • illegalen Finanzstrukturen.

Für Unternehmen sind deshalb funktionierende Compliance- und Geldwäschepräventionssysteme von besonderer Bedeutung.

17. Aktuelle Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit

Portugal baut seine internationale justizielle und polizeiliche Zusammenarbeit weiter aus. Im September 2025 unterzeichnete Portugal beispielsweise das 3. Zusatzprotokoll zum Europäischen Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen von 1959. Ziel der Modernisierung ist unter anderem eine schnellere und sicherere Kommunikation zwischen den zuständigen Behörden sowie die Nutzung elektronischer Verfahren und gegebenenfalls der INTERPOL-Kanäle in dringenden Fällen.

Diese Entwicklung zeigt die zunehmende Bedeutung schneller internationaler Kommunikations- und Fahndungsmechanismen bei grenzüberschreitender Kriminalität.

18. Rechtliche Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique

Internationale Fahndungsmaßnahmen können erhebliche Auswirkungen auf die persönliche Freiheit, die Reisemöglichkeiten und die rechtliche Situation einer betroffenen Person haben. Gleichzeitig müssen INTERPOL-Maßnahmen von nationalen Haftbefehlen, Auslieferungsverfahren und europäischen Instrumenten der justiziellen Zusammenarbeit unterschieden werden.

cosmos legal Cabinet juridique kann bei rechtlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit INTERPOL und Portugal unterstützend tätig werden. Dazu können insbesondere die Analyse einer internationalen Fahndungssituation, die Prüfung der zugrunde liegenden rechtlichen Entscheidungen, die Begleitung von Auslieferungs- und Übergabeverfahren sowie die Unterstützung bei grenzüberschreitenden strafrechtlichen Angelegenheiten gehören.

Bei einer Red Notice sollte insbesondere geprüft werden, welcher Staat die Fahndung veranlasst hat, auf welcher gerichtlichen Entscheidung sie beruht und welche rechtlichen Möglichkeiten im jeweiligen Verfahren bestehen.

19. Fazit

INTERPOL spielt für Portugal eine wichtige Rolle bei der internationalen Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität. Das portugiesische National Central Bureau in Lissabon, das in die Polícia Judiciária integriert ist, fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen portugiesischen Strafverfolgungsbehörden und dem internationalen INTERPOL-Netzwerk.

Besonders bekannt ist die Red Notice. Sie stellt jedoch keinen internationalen Haftbefehl dar und führt nicht automatisch zu einer Festnahme in Portugal. Über eine Festnahme und weitere Maßnahmen entscheiden die zuständigen nationalen Behörden nach dem jeweils geltenden Recht.

Für Personen und Unternehmen mit internationalen Verbindungen ist daher eine genaue rechtliche Prüfung entscheidend. Insbesondere bei internationalen Fahndungen, Auslieferungsverfahren und grenzüberschreitenden Strafverfahren kann eine frühzeitige juristische Beratung dazu beitragen, die rechtliche Situation richtig einzuordnen und die verfügbaren Verteidigungs- und Rechtsschutzmöglichkeiten zu prüfen.

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