Geburt in Portugal
Geburt in Portugal: Geburtsregistrierung, Staatsangehörigkeit und rechtliche Verfahren
Die Geburt eines Kindes in Portugal führt zu einer Reihe wichtiger rechtlicher und administrativer Vorgänge. Dazu gehören insbesondere die Registrierung der Geburt, die Ausstellung der Geburtsurkunde, gegebenenfalls die Beantragung des ersten portugiesischen Cartão de Cidadão sowie die Klärung der Staatsangehörigkeit des Kindes.
Besonders bei ausländischen Eltern ist es wichtig, zwischen der Geburtsregistrierung in Portugal und dem Erwerb der portugiesischen Staatsangehörigkeit zu unterscheiden. Die Geburt auf portugiesischem Staatsgebiet führt nicht in jedem Fall automatisch zur portugiesischen Staatsangehörigkeit.
1. Die Registrierung der Geburt in Portugal
Jedes in Portugal geborene Kind muss registriert werden. Die Geburtsregistrierung ist kostenlos und gesetzlich vorgeschrieben. Nach den aktuellen Informationen der portugiesischen Justiz soll die Registrierung grundsätzlich innerhalb von 20 Tagen nach der Geburt erfolgen.
Die Registrierung kann möglichst unmittelbar im Krankenhaus oder in der Geburtsklinik erfolgen. Dafür stehen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen sogenannte Nascer Cidadão-Schalter zur Verfügung.
Ist eine Registrierung im Krankenhaus nicht möglich, kann sie auch online oder persönlich bei einem portugiesischen Standesamt vorgenommen werden.
2. Wer kann die Geburt anmelden?
Grundsätzlich können die Eltern die Geburt des Kindes anmelden. Sind die Eltern miteinander verheiratet, kann bei der Online-Anmeldung grundsätzlich einer der beiden Elternteile die Erklärung abgeben.
Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, bestehen zusätzliche Anforderungen hinsichtlich der Anerkennung der Vaterschaft. Der Vater muss grundsätzlich bei der Registrierung anwesend sein, wenn die Vaterschaft unmittelbar anerkannt werden soll. Andernfalls kann die Vaterschaft später durch eine entsprechende Erklärung festgestellt werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Registrierung außerdem durch eine schriftlich bevollmächtigte Person, einen nahen Angehörigen oder einen Vertreter der Gesundheitseinrichtung vorgenommen werden.
3. Welche Angaben werden bei der Registrierung benötigt?
Bei der Geburtsregistrierung werden verschiedene persönliche Daten des Kindes und der Eltern erfasst. Dazu gehören insbesondere:
- Name des Kindes,
- Geburtsdatum und Geburtszeit,
- Geburtsort,
- Angaben zur Mutter und zum Vater,
- Namen der Großeltern,
- Familienstand der Eltern,
- gegebenenfalls statistische Angaben zur Geburt.
Die portugiesischen Behörden sehen für den Namen des Kindes bestimmte formale Regeln vor. Bei der Online-Registrierung können grundsätzlich bis zu zwei Vornamen und vier Nachnamen angegeben werden.
4. Geburtsurkunde und erster Cartão de Cidadão
Die Geburtsregistrierung dokumentiert den rechtlichen Beginn der Existenz einer Person. Nach erfolgreicher Registrierung kann eine Geburtsurkunde ausgestellt werden.
Für ein portugiesisches Kind kann außerdem der erste Cartão de Cidadão beantragt werden. Bei bestimmten Verfahren ist die Beantragung des ersten Ausweisdokuments unmittelbar zusammen mit der Geburtsregistrierung möglich.
Der portugiesische Staat bietet hierfür auch einen Online-Service an. Bei Kindern unter einem Jahr können Geburtsregistrierung und Beantragung des ersten Cartão de Cidadão unter den vorgesehenen Voraussetzungen gemeinsam und kostenlos erfolgen.
5. Geburt eines Kindes ausländischer Eltern
Für ausländische Eltern ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Die Geburt in Portugal bedeutet nicht automatisch in jedem Fall, dass das Kind portugiesischer Staatsbürger wird.
Die portugiesischen Staatsangehörigkeitsvorschriften enthalten jedoch besondere Regelungen für in Portugal geborene Kinder ausländischer Eltern.
Nach der seit 19. Mai 2026 geltenden neuen Rechtslage wurden die Voraussetzungen für bestimmte Minderjährige, die in Portugal geboren wurden und ausländische Eltern haben, neu geregelt. Unter anderem kann ein mindestens fünfjähriger Aufenthalt eines Elternteils in Portugal eine Rolle spielen. Daneben können je nach Alter und Situation weitere Voraussetzungen, beispielsweise hinsichtlich des Schulbesuchs, bestehen.
6. Portugiesische Staatsangehörigkeit für in Portugal geborene Kinder
Das portugiesische Staatsangehörigkeitsrecht kennt mehrere Wege, auf denen ein in Portugal geborenes Kind die portugiesische Staatsangehörigkeit erhalten kann.
Die konkrete Möglichkeit hängt unter anderem davon ab:
- ob ein Elternteil portugiesischer Staatsbürger ist,
- welchen Aufenthaltsstatus die Eltern besitzen,
- wie lange ein Elternteil in Portugal lebt,
- ob das Kind in Portugal zur Schule geht,
- ob die gesetzlichen Voraussetzungen für die jeweilige Erwerbsform erfüllt sind.
Für minderjährige Kinder ausländischer Eltern nennt das portugiesische Justizministerium unter anderem die Möglichkeit, die Staatsangehörigkeit zu beantragen, wenn ein Elternteil in den letzten fünf Jahren in Portugal gelebt hat, ein Elternteil legal in Portugal lebt oder das Kind mindestens ein Jahr eine entsprechende Bildungseinrichtung in Portugal besucht hat.
7. Änderungen des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2026
Die Reform des portugiesischen Staatsangehörigkeitsrechts ist für Familien mit Kindern in Portugal besonders relevant.
Die Lei Orgânica n.º 1/2026 trat am 19. Mai 2026 in Kraft. Die Reform änderte mehrere Vorschriften über den Erwerb und die Zuerkennung der portugiesischen Staatsangehörigkeit. Für bestimmte in Portugal geborene Minderjährige ausländischer Eltern wurden zusätzliche kumulative Voraussetzungen eingeführt.
Wichtig ist außerdem, dass die neuen Bestimmungen grundsätzlich auf Anträge angewendet werden, die nach dem Inkrafttreten der Reform eingereicht wurden. Für bereits anhängige Verfahren gilt nach den offiziellen Informationen grundsätzlich die frühere Fassung des Staatsangehörigkeitsgesetzes.
8. Wenn ein Elternteil portugiesischer Staatsbürger ist
Ist ein Elternteil portugiesischer Staatsbürger, kann das Kind grundsätzlich einen wesentlich direkteren Zugang zur portugiesischen Staatsangehörigkeit haben.
Das gilt auch dann, wenn das Kind außerhalb Portugals geboren wurde. Das portugiesische Justizministerium sieht für im Ausland geborene Kinder portugiesischer Eltern beziehungsweise eines portugiesischen Elternteils eigene Verfahren vor. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann das Kind als Portugiese seit seiner Geburt anerkannt werden.
Für im Ausland geborene Kinder kann die Geburtsregistrierung beziehungsweise die Beantragung der portugiesischen Staatsangehörigkeit unter bestimmten Voraussetzungen sogar online erfolgen.
9. Geburt eines portugiesischen Kindes im Ausland
Auch wenn das Kind außerhalb Portugals geboren wurde, kann die portugiesische Geburtsregistrierung von Bedeutung sein.
Für bestimmte Kinder unter einem Jahr ermöglicht der portugiesische Staat ein Online-Verfahren, bei dem gleichzeitig die Geburtsregistrierung, die portugiesische Staatsangehörigkeit und der erste Cartão de Cidadão beantragt werden können. Voraussetzung ist unter anderem, dass mindestens ein Elternteil portugiesischer Staatsbürger ist.
Je nach Herkunftsland müssen dabei die lokale Geburtsurkunde und eine Geburtsbescheinigung des Krankenhauses eingereicht werden. Bei bestimmten fremdsprachigen Dokumenten kann außerdem ein mehrsprachiges Formular oder eine beglaubigte portugiesische Übersetzung erforderlich sein.
10. Dokumente ausländischer Eltern
Wenn die Eltern keine portugiesischen Staatsbürger sind, können für bestimmte Verfahren ausländische Dokumente erforderlich sein.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Reisepässe oder Identitätsdokumente der Eltern,
- Geburtsurkunden der Eltern,
- Heiratsurkunde,
- Nachweis über den Aufenthaltsstatus,
- gegebenenfalls Nachweis über den Wohnsitz in Portugal,
- Geburtsbescheinigung des Krankenhauses,
- weitere Dokumente entsprechend dem konkreten Staatsangehörigkeitsverfahren.
Bei ausländischen Urkunden sollte vor der Einreichung geprüft werden, ob eine Apostille, Legalisation, ein mehrsprachiges Formular oder eine beglaubigte Übersetzung erforderlich ist.
11. Geburt und Aufenthaltsrecht der Eltern
Die Geburt eines Kindes in Portugal kann auch aufenthaltsrechtliche Fragen für die Eltern aufwerfen. Allerdings führt die Geburt eines Kindes in Portugal nicht automatisch dazu, dass ein ausländischer Elternteil einen portugiesischen Aufenthaltstitel oder die portugiesische Staatsangehörigkeit erhält.
Die rechtliche Situation der Eltern muss daher unabhängig vom Status des Kindes betrachtet werden. Insbesondere bei Familien, bei denen ein Elternteil portugiesischer Staatsbürger oder langfristig in Portugal ansässig ist, können jedoch besondere familien- und aufenthaltsrechtliche Regelungen relevant sein.
12. Rechtliche Bedeutung der Geburtsregistrierung
Die Geburtsregistrierung ist nicht lediglich eine administrative Formalität. Sie schafft die offizielle Grundlage für zahlreiche spätere Rechtsvorgänge.
Die Geburtsurkunde kann beispielsweise für folgende Angelegenheiten benötigt werden:
- Beantragung eines Ausweisdokuments,
- Staatsangehörigkeitsverfahren,
- Schulregistrierung,
- medizinische und sozialrechtliche Angelegenheiten,
- Familienzusammenführung,
- Erbschaftsangelegenheiten,
- spätere Eheschließung oder andere Personenstandsverfahren.
Eine korrekte Registrierung der persönlichen Daten ist deshalb besonders wichtig.
13. Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique
Geburts- und Staatsangehörigkeitsverfahren können insbesondere bei ausländischen Familien komplex werden. Dies gilt beispielsweise dann, wenn die Eltern unterschiedliche Staatsangehörigkeiten besitzen, das Kind außerhalb Portugals geboren wurde oder mehrere ausländische Dokumente vorgelegt werden müssen.
cosmos legal Cabinet juridique kann bei der strukturierten Vorbereitung entsprechender Verfahren unterstützend tätig werden. Dazu können insbesondere die Prüfung der persönlichen Voraussetzungen, die Zusammenstellung der notwendigen Dokumente sowie die Begleitung bei komplexeren staatsangehörigkeits- und familienrechtlichen Angelegenheiten gehören.
Gerade nach den Änderungen des portugiesischen Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2026 ist eine Prüfung der jeweils aktuellen Rechtslage besonders wichtig.
14. Fazit
Die Geburt eines Kindes in Portugal führt zunächst zur verpflichtenden und grundsätzlich kostenlosen Geburtsregistrierung. Diese sollte möglichst unmittelbar im Krankenhaus oder spätestens innerhalb der vorgesehenen Frist von 20 Tagen vorgenommen werden.
Für ausländische Eltern ist anschließend insbesondere die Frage der Staatsangehörigkeit relevant. Eine Geburt in Portugal kann unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen zur portugiesischen Staatsangehörigkeit führen, sie ist jedoch nicht automatisch mit einem uneingeschränkten Erwerb der Staatsangehörigkeit gleichzusetzen.
Die seit dem 19. Mai 2026 geltenden Änderungen des portugiesischen Staatsangehörigkeitsrechts haben insbesondere die Voraussetzungen für bestimmte in Portugal geborene Kinder ausländischer Eltern verändert. Daher sollten Familien ihre konkrete Situation anhand der zum Zeitpunkt der Antragstellung geltenden Vorschriften prüfen.
