Verkehrsverstöße und Verkehrsstrafen in Finnland

Ana Sayfa /Makaleler /Verkehrsverstöße und Verkehrsstrafen in Finnland
16.08.2026 Hukuk

Verkehrsverstöße und Verkehrsstrafen in Finnland

Verkehrsverstöße und Verkehrsstrafen in Finnland – Bußgelder, Verfahren und Rechtsmittel

Das finnische Verkehrsrecht sieht für Verstöße im Straßenverkehr unterschiedliche Sanktionen vor. Je nach Art und Schwere des Verstoßes kann eine Verkehrsordnungsgebühr (traffic penalty fee / liikennevirhemaksu) oder eine einkommensabhängige Geldstrafe verhängt werden. Auch wiederholte Verkehrsverstöße können Konsequenzen für die Fahrerlaubnis haben. (Poliisi)

Für ausländische Fahrer ist es besonders wichtig, die finnischen Vorschriften und die Zahlungs- beziehungsweise Einspruchsverfahren zu kennen.

1. Verkehrsordnungsgebühr in Finnland

Bei geringfügigen Verkehrsverstößen kann die finnische Polizei eine Verkehrsordnungsgebühr verhängen. Diese ist rechtlich nicht mit einer klassischen Geldstrafe gleichzusetzen, sondern stellt eine administrative finanzielle Sanktion dar.

Die Höhe ist gesetzlich festgelegt und beträgt – abhängig vom jeweiligen Verstoß – grundsätzlich zwischen 20 und 200 Euro. Die Höhe richtet sich nicht nach dem Einkommen des Betroffenen. (Poliisi)

Zu den typischen Fällen gehören unter anderem:

  • geringfügige Geschwindigkeitsüberschreitungen,
  • Missachtung bestimmter Verkehrszeichen,
  • Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes,
  • Benutzung eines Mobiltelefons während des Fahrens,
  • bestimmte Verstöße gegen Ampelregelungen.

2. Geschwindigkeitsüberschreitungen

Geschwindigkeitsverstöße gehören zu den häufigsten Verkehrsdelikten in Finnland. Die finnische Polizei betont ausdrücklich, dass jede Geschwindigkeitsüberschreitung rechtswidrig ist und es keine allgemein erlaubte Toleranz von beispielsweise fünf Kilometern pro Stunde gibt. (Poliisi)

Bei automatischer Verkehrsüberwachung gelten für bestimmte geringfügige Überschreitungen feste Verkehrsordnungsgebühren. Beispielsweise können bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 20 bis 60 km/h folgende Gebühren anfallen:

  • bis 10 km/h zu schnell: 100 Euro
  • 11–15 km/h zu schnell: 170 Euro
  • 16–20 km/h zu schnell: 200 Euro

Bei Geschwindigkeitsbegrenzungen von 70 bis 120 km/h gelten andere Beträge. Eine Überschreitung um bis zu 10 km/h kann beispielsweise mit 70 Euro geahndet werden. (Poliisi)

Bei schwerwiegenderen Geschwindigkeitsüberschreitungen kann anstelle einer Verkehrsordnungsgebühr eine strafrechtliche Geldstrafe in Betracht kommen.

3. Weitere häufige Verkehrsverstöße

Auch andere Verstöße können mit einer Verkehrsordnungsgebühr geahndet werden. Die Polizei nennt beispielsweise:

  • 100 Euro für die Benutzung eines in der Hand gehaltenen Kommunikationsgeräts während der Fahrt,
  • 70 Euro für das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes,
  • 100 Euro für bestimmte Verstöße gegen Verbotszeichen,
  • 100 Euro für bestimmte nicht strafrechtliche Rotlichtverstöße. (Poliisi)

Wer mehrere Verkehrsverstöße gleichzeitig begeht, erhält grundsätzlich eine gemeinsame Verkehrsordnungsgebühr. Dabei wird die höchste Einzelgebühr um 40 Euro erhöht. (Poliisi)

4. Automatische Verkehrsüberwachung

Finnland nutzt umfangreich automatische Verkehrsüberwachungssysteme. Diese können insbesondere Geschwindigkeitsüberschreitungen, Rotlichtverstöße und die Nutzung von Mobiltelefonen während des Fahrens erfassen. (Poliisi)

Bei einer automatischen Kontrolle kann eine sogenannte fahrzeugbezogene Verkehrsordnungsgebühr ausgesprochen werden. Sie richtet sich zunächst an den Halter, Besitzer oder die für die Nutzung des Fahrzeugs verantwortliche Person.

Wenn diese Person nicht selbst gefahren ist, kann sie unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Überprüfung beantragen beziehungsweise den tatsächlichen Fahrer angeben. (Poliisi)

5. Einkommensabhängige Geldstrafe

Eine wichtige Besonderheit des finnischen Systems besteht darin, dass nicht jeder Verkehrsverstoß mit einer festen Verkehrsordnungsgebühr erledigt wird.

Bei schwerwiegenderen Verkehrsdelikten kann eine Geldstrafe (fine) verhängt werden. Die Höhe kann dabei anhand sogenannter Tagessätze (unit fines) bestimmt werden. Nach den Angaben des finnischen Justizportals entspricht ein Tagessatz grundsätzlich einem Sechzigstel des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens; dabei wird ein Grundfreibetrag berücksichtigt. Der Mindestbetrag eines Tagessatzes beträgt 6 Euro. (Oikeus)

Damit kann eine strafrechtliche Geldstrafe je nach Einkommen erheblich höher ausfallen als eine feste Verkehrsordnungsgebühr.

6. Auswirkungen auf den Führerschein

Nicht jeder Verkehrsverstoß wirkt sich auf die Fahrerlaubnis aus. Bei bestimmten wiederholten Verstößen kann jedoch ein Fahrverbot (driving ban) angeordnet werden.

Zu den relevanten Verkehrsverstößen gehören unter anderem:

  • bestimmte Geschwindigkeitsüberschreitungen,
  • das Überfahren einer roten Ampel,
  • die Benutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt,
  • bestimmte Verstöße beim Transport gefährlicher Güter. (Poliisi)

Grundsätzlich kann ein Fahrverbot bei entsprechenden wiederholten Verstößen verhängt werden, wenn drei relevante Verstöße innerhalb eines Jahres oder vier innerhalb von zwei Jahren begangen wurden. Für Personen, die ihren Führerschein erst seit weniger als zwei Jahren besitzen, gelten strengere Grenzen. (Poliisi)

7. Zahlung von Verkehrsordnungsgebühren

Eine Verkehrsordnungsgebühr wird grundsätzlich anhand der Zahlungsinformationen in der Entscheidung entrichtet.

Hier ist eine wichtige Änderung für das Jahr 2026 zu beachten: Seit dem 1. Januar 2026 wurde das frühere feste Zahlungsdatum für von der Polizei verhängte Geldstrafen und Verkehrsordnungsgebühren abgeschafft. Die Zahlungspflicht beziehungsweise Vollstreckbarkeit knüpft nun grundsätzlich daran an, dass die Entscheidung rechtskräftig geworden ist. (Poliisi)

Wer eine Entscheidung anfechten möchte, sollte deshalb zunächst die auf dem Bescheid angegebenen Rechtsbehelfsinformationen genau prüfen.

8. Einspruch und administrative Überprüfung

Wer der Auffassung ist, dass eine Verkehrsordnungsgebühr zu Unrecht verhängt wurde, kann grundsätzlich eine administrative Überprüfung (request for administrative review) beantragen.

Der Antrag muss schriftlich bei der Behörde gestellt werden, die die Entscheidung erlassen hat. Dabei sollte konkret erklärt werden,

  • welche Entscheidung angefochten wird,
  • welche Änderung beantragt wird,
  • aus welchen tatsächlichen oder rechtlichen Gründen die Entscheidung falsch sein soll.

Bei automatisch erfassten Verkehrsverstößen kann beispielsweise relevant sein, dass der Betroffene nicht selbst gefahren ist oder dass die tatsächlichen Verkehrsbedingungen von den behördlich angenommenen Umständen abwichen. (Poliisi)

9. Was passiert bei Nichtzahlung?

Eine Verkehrsordnungsgebühr sollte nicht ignoriert werden. Wenn eine fällige Forderung nicht ordnungsgemäß beglichen wird, kann das Legal Register Centre (Oikeusrekisterikeskus) weitere Schritte einleiten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Verlängerung der Zahlungsfrist beantragt werden. Bei weiterer Nichtzahlung kann die Forderung in die Zwangsvollstreckung übergehen. (Poliisi)

Für Personen mit Wohnsitz außerhalb Finnlands kann die Situation zusätzlich kompliziert werden, insbesondere wenn die Vollstreckung grenzüberschreitend erfolgen soll.

10. Verkehrsverstöße ausländischer Fahrer

Auch ausländische Fahrer müssen sich während ihres Aufenthalts in Finnland an die finnischen Verkehrsregeln halten. Die Tatsache, dass ein Fahrzeug oder Führerschein in einem anderen Staat registriert beziehungsweise ausgestellt wurde, schützt nicht vor finnischen Verkehrssanktionen.

Bei Mietfahrzeugen können zusätzlich vertragliche Konsequenzen entstehen. Beispielsweise kann der Vermieter bei bestimmten behördlichen Mitteilungen oder Verwaltungsaufwendungen eigene Gebühren verlangen.

Ausländische Fahrer sollten daher einen finnischen Verkehrsbescheid nicht ignorieren und insbesondere die darin enthaltenen Fristen und Rechtsbehelfsinformationen beachten.

11. Rechtliche Unterstützung durch Cosmos Legal Cabinet juridique

Verkehrsrechtliche Angelegenheiten können komplizierter werden, wenn es um erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, wiederholte Verstöße, ein mögliches Fahrverbot oder einen ausländischen Fahrzeughalter geht.

Cosmos Legal Cabinet juridique kann bei der rechtlichen Prüfung eines finnischen Verkehrsbescheids, bei der Bewertung möglicher Rechtsmittel und bei grenzüberschreitenden verkehrsrechtlichen Angelegenheiten unterstützend tätig werden.

Insbesondere bei einem drohenden Fahrverbot oder einer strafrechtlichen Geldstrafe kann eine individuelle rechtliche Prüfung sinnvoll sein.

Fazit

Das finnische System unterscheidet zwischen der Verkehrsordnungsgebühr für geringfügige Verkehrsverstöße und der strafrechtlichen Geldstrafe für schwerwiegendere Delikte. Die Verkehrsordnungsgebühren liegen je nach Verstoß grundsätzlich zwischen 20 und 200 Euro; bei mehreren gleichzeitig begangenen Verstößen kann die höchste Gebühr einmalig um 40 Euro erhöht werden. (Poliisi)

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Geschwindigkeitsüberschreitungen und wiederholte Verkehrsverstöße, da diese unter bestimmten Voraussetzungen Auswirkungen auf die Fahrerlaubnis haben können. (Poliisi)

Seit 2026 gelten außerdem neue Regeln für die Zahlung und Vollstreckbarkeit von Geldstrafen und Verkehrsordnungsgebühren. Wer einen finnischen Verkehrsbescheid erhält, sollte deshalb die aktuelle Rechtslage und die konkreten Hinweise auf dem Bescheid sorgfältig prüfen. (Poliisi)

Bei komplexen oder internationalen Fällen kann Cosmos Legal Cabinet juridique eine rechtliche Unterstützung bei der Prüfung des Bescheids und der weiteren Vorgehensweise bieten.

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