Kapitalmarktrecht in Griechenland

Ana Sayfa /Makaleler /Kapitalmarktrecht in Griechenland
03.09.2026 Hukuk

Kapitalmarktrecht in Griechenland

Kapitalmarktrecht in Griechenland: Rechtsrahmen, Börse und Anlegerschutz

Der griechische Kapitalmarkt ist ein wesentlicher Bestandteil des nationalen Finanzsystems und zugleich eng in den europäischen Kapitalmarkt integriert. Für Unternehmen bietet er Möglichkeiten zur Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung, während Anleger Zugang zu Aktien, Anleihen, Investmentfonds und weiteren Finanzinstrumenten erhalten.

Das griechische Kapitalmarktrecht wird dabei wesentlich durch europäische Finanzmarktregeln geprägt. Zu den wichtigen Rechtsbereichen gehören unter anderem die Regulierung von Wertpapierdienstleistungen, Marktmissbrauch, Transparenz, öffentliche Übernahmeangebote und der Schutz von Anlegern.

1. Aufbau des griechischen Kapitalmarktes

Der griechische Kapitalmarkt umfasst insbesondere den Handel mit:

  • Aktien,
  • Unternehmens- und Staatsanleihen,
  • Investmentfonds,
  • Derivaten,
  • weiteren Finanzinstrumenten.

Eine zentrale Rolle spielt die Athens Exchange beziehungsweise Euronext Athens, über deren organisierte Märkte Finanzinstrumente gehandelt werden. Das aktuelle Börsenregelwerk enthält die wesentlichen Regeln für die Zulassung und den Handel an den entsprechenden Märkten.

Der Kapitalmarkt erfüllt dabei zwei wesentliche Funktionen: Unternehmen und andere Emittenten können Kapital aufnehmen, während Anleger einen organisierten Markt für den Erwerb und die Veräußerung von Finanzinstrumenten erhalten.

2. Hellenic Capital Market Commission

Die wichtigste spezialisierte Aufsichtsbehörde ist die Hellenic Capital Market Commission (HCMC). Sie überwacht wesentliche Bereiche des griechischen Kapitalmarktes und beaufsichtigt unter anderem Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Investmentgesellschaften und Marktaktivitäten.

Die HCMC verfügt über eigene elektronische Dienste für beaufsichtigte Unternehmen und Marktteilnehmer. Dazu gehören unter anderem Verfahren für Meldungen und regulatorische Einreichungen.

Die Kommission arbeitet außerdem eng mit den europäischen und internationalen Finanzmarktinstitutionen zusammen. Die europäische Harmonisierung ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der griechischen Kapitalmarktaufsicht.

3. Europäische Vorschriften und griechisches Recht

Da Griechenland Mitglied der Europäischen Union ist, basiert ein großer Teil des Kapitalmarktrechts auf europäischen Verordnungen und Richtlinien.

Eine zentrale Bedeutung hat die MiFID-II-Regelung über Märkte für Finanzinstrumente. Griechenland setzte den entsprechenden europäischen Rechtsrahmen unter anderem durch das Gesetz Nr. 4514/2018 um. Die HCMC bezeichnete die Umsetzung von MiFID II und MiFIR als wichtigen Schritt zur Modernisierung des griechischen Kapitalmarktrechts.

Darüber hinaus sind europäische Vorschriften über Marktmissbrauch, Transparenz, Prospekte und Anlegerrechte zu berücksichtigen.

4. Wertpapierdienstleistungen

Wertpapierdienstleistungen dürfen in Griechenland grundsätzlich nicht ohne entsprechende rechtliche Grundlage und erforderliche Zulassung erbracht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Annahme und Übermittlung von Aufträgen,
  • Ausführung von Kundenaufträgen,
  • Anlageberatung,
  • Portfolioverwaltung,
  • Handel für eigene Rechnung,
  • Platzierung von Finanzinstrumenten.

Wertpapierfirmen müssen dabei organisatorische und aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen. Dazu zählen unter anderem Anforderungen an interne Kontrollsysteme, Kundeninformationen, Interessenkonflikte und den Schutz von Kundenvermögen.

5. Anlegerschutz

Der Anlegerschutz gehört zu den zentralen Zielen des griechischen Kapitalmarktrechts.

Anleger sollen insbesondere ausreichend über Finanzinstrumente, Risiken und Kosten informiert werden. Wertpapierdienstleister müssen abhängig von der jeweiligen Dienstleistung bestimmte Informationen über Kunden und Finanzprodukte berücksichtigen.

Die europäische MiFID-II-Regulierung hat dabei unter anderem die Anforderungen an Transparenz, Produktüberwachung und den Schutz von Anlegern erweitert. Die HCMC hebt die Stärkung des Anlegerschutzes und die Verbesserung der Markttransparenz als wesentliche Ziele des modernen griechischen Kapitalmarktrahmens hervor.

6. Börsennotierte Unternehmen und Transparenz

Unternehmen, deren Wertpapiere an einem regulierten Markt zugelassen sind, unterliegen umfangreichen Informationspflichten.

Dazu gehören insbesondere die regelmäßige Veröffentlichung von Finanzinformationen und die Offenlegung bestimmter wesentlicher Unternehmensereignisse.

Die Transparenzpflichten dienen dazu, Anlegern eine fundierte Entscheidung über den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren zu ermöglichen.

Seit Juli 2026 werden bestimmte Informationen im Zusammenhang mit der europäischen Transparency Directive über das griechische HERMES-System automatisiert an den European Single Access Point (ESAP) übermittelt. Dies zeigt die zunehmende Digitalisierung und europäische Vernetzung der Kapitalmarktinformationen.

7. Kapitalaufnahme und Börsengang

Ein Unternehmen kann den Kapitalmarkt insbesondere durch einen Börsengang (IPO) nutzen.

Bei einer erstmaligen öffentlichen Platzierung von Aktien müssen umfangreiche rechtliche und finanzielle Anforderungen erfüllt werden. Dazu gehören unter anderem die Vorbereitung der erforderlichen Unternehmensinformationen, die Prüfung der Zulassungsvoraussetzungen und – soweit gesetzlich erforderlich – die Erstellung eines Prospekts.

Für Unternehmen bedeutet ein Börsengang nicht nur eine Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung. Mit der Börsennotierung entstehen auch fortlaufende Transparenz-, Berichts- und Corporate-Governance-Pflichten.

8. Anleihen und Fremdkapital

Neben Aktien spielen Anleihen eine wichtige Rolle am Kapitalmarkt.

Unternehmen können durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen Fremdkapital von Investoren aufnehmen. Dabei müssen die Bedingungen der Anleihe, die Rechte der Anleger und die jeweiligen Informationspflichten rechtlich klar bestimmt werden.

Bei öffentlichen Angeboten von Wertpapieren können die europäischen Prospektvorschriften und die entsprechenden griechischen Umsetzungs- beziehungsweise Durchführungsvorschriften relevant sein.

9. Marktmissbrauch und Insiderhandel

Ein besonders wichtiger Bereich des Kapitalmarktrechts ist die Bekämpfung von Marktmissbrauch.

Darunter fallen insbesondere:

  • Insiderhandel,
  • unrechtmäßige Offenlegung von Insiderinformationen,
  • Marktmanipulation.

Die europäische Marktmissbrauchsverordnung bildet hierbei einen zentralen Rechtsrahmen. Griechenland hat entsprechende europäische Vorgaben in sein nationales Kapitalmarktsystem integriert. Die HCMC verfügt über Überwachungs- und Sanktionskompetenzen und kann bei Verstößen entsprechende aufsichtsrechtliche Maßnahmen ergreifen.

Für börsennotierte Unternehmen und deren Führungskräfte ist deshalb eine funktionierende Compliance-Struktur besonders wichtig.

10. Corporate Governance

Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen neben kapitalmarktrechtlichen Vorschriften auch besondere Corporate-Governance-Anforderungen berücksichtigen.

Das griechische Gesetz Nr. 4706/2020 enthält wesentliche Regelungen zur Corporate Governance von Aktiengesellschaften mit Wertpapieren, die an einem regulierten Markt zugelassen sind.

Dabei geht es unter anderem um die Organisation des Verwaltungsrats, interne Kontrollsysteme, Ausschüsse und die Verantwortlichkeiten der Unternehmensorgane.

Eine solide Corporate-Governance-Struktur kann sowohl die Transparenz des Unternehmens als auch das Vertrauen nationaler und internationaler Investoren stärken.

11. Öffentliche Übernahmeangebote

Beim Erwerb einer bedeutenden Beteiligung an einem börsennotierten Unternehmen können die Vorschriften über öffentliche Übernahmeangebote relevant werden.

Das griechische Gesetz Nr. 3461/2006 regelt das öffentliche Übernahmeangebot für Wertpapiere von Gesellschaften, deren Wertpapiere zum Handel an einem regulierten Markt zugelassen sind.

Ziel dieser Regelungen ist unter anderem der Schutz der Aktionäre bei einem Kontrollwechsel. Je nach Beteiligungshöhe und Transaktionsstruktur können Informations-, Angebots- und Veröffentlichungspflichten entstehen.

12. Investmentfonds und kollektive Kapitalanlagen

Der griechische Kapitalmarkt umfasst neben börsengehandelten Wertpapieren auch kollektive Kapitalanlagen.

Hierzu gehören unter anderem Organismen für gemeinsame Anlagen und alternative Investmentfonds. Für deren Verwaltung und Vertrieb gelten besondere europäische und griechische aufsichtsrechtliche Anforderungen.

Die HCMC führt entsprechende regulatorische Verfahren und Meldesysteme für Investmentfonds und alternative Investmentfonds.

Anleger sollten vor einer Investition insbesondere die Anlagestrategie, Kosten, Risiken und rechtliche Struktur eines Fonds prüfen.

13. Pflichten institutioneller Marktteilnehmer

Banken, Wertpapierfirmen, Fondsverwalter und andere professionelle Marktteilnehmer unterliegen umfangreichen organisatorischen Pflichten.

Dazu gehören unter anderem:

  • Risikomanagement,
  • interne Kontrollen,
  • Geldwäscheprävention,
  • Kundenidentifizierung,
  • Aufzeichnung bestimmter Transaktionen,
  • Umgang mit Interessenkonflikten,
  • Einhaltung von Meldepflichten.

Die regulatorischen Anforderungen sollen die Stabilität und Integrität des Kapitalmarktes fördern.

14. Internationale Investoren

Für ausländische Investoren bietet der griechische Kapitalmarkt Zugang zu einem EU-regulierten Finanzmarkt.

Ein Investor aus einem anderen EU-Mitgliedstaat kann von den europäischen Grundsätzen des Binnenmarktes und den harmonisierten Finanzmarktregeln profitieren. Bei Investoren aus Drittstaaten können dagegen zusätzliche regulatorische Anforderungen und Zulassungsfragen relevant sein.

Vor einer Investition sollte daher geprüft werden, welche Struktur gewählt wird und ob eine Beteiligung an einem griechischen Unternehmen, ein Wertpapiererwerb oder eine Tätigkeit als Finanzdienstleister geplant ist.

15. Rechtliche Risiken am griechischen Kapitalmarkt

Kapitalmarkttransaktionen können erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Risiken mit sich bringen.

Besonders relevant sind:

  • unzureichende Unternehmensinformationen,
  • Verstöße gegen Ad-hoc- und Transparenzpflichten,
  • Insiderhandel,
  • Marktmanipulation,
  • fehlerhafte Prospektangaben,
  • Verstöße gegen Anleger- oder Kundenrechte,
  • unzureichende Corporate Governance.

Unternehmen und Finanzintermediäre sollten deshalb effektive Compliance- und Kontrollsysteme einrichten.

16. Rechtliche Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique

Kapitalmarkttransaktionen gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen des Wirtschaftsrechts. Neben griechischem Recht müssen häufig europäische Kapitalmarktverordnungen und die Vorgaben der zuständigen Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden.

cosmos legal Cabinet juridique kann Unternehmen, Investoren und andere Marktteilnehmer bei kapitalmarktrechtlichen Fragestellungen in Griechenland unterstützen. Dazu können insbesondere die rechtliche Begleitung von Kapitalmaßnahmen, Börsenzulassungen, Wertpapieremissionen, Investitionen, Corporate-Governance-Fragen sowie die Prüfung regulatorischer Verpflichtungen gehören.

Bei grenzüberschreitenden Kapitalmarkttransaktionen ist eine frühzeitige rechtliche Prüfung besonders wichtig, da mehrere Rechtsordnungen und Aufsichtsbehörden betroffen sein können.

Fazit

Der griechische Kapitalmarkt ist eng in das europäische Finanz- und Kapitalmarktrecht integriert. Eine zentrale Rolle spielen die Hellenic Capital Market Commission, die organisierten Märkte der Athens Exchange beziehungsweise Euronext Athens sowie die europäischen Regelungen zu Finanzinstrumenten, Transparenz und Anleger- und Marktintegrität.

Für Unternehmen eröffnet der Kapitalmarkt Möglichkeiten zur Finanzierung durch Aktien- und Anleiheemissionen. Gleichzeitig bringt eine Börsennotierung erhebliche Transparenz-, Corporate-Governance- und Compliance-Pflichten mit sich.

Für Investoren stehen insbesondere Anlegerschutz, Markttransparenz und die ordnungsgemäße Regulierung von Finanzintermediären im Mittelpunkt. Aufgrund der engen Verbindung zwischen griechischem und europäischem Recht sollten Kapitalmarkttransaktionen in Griechenland stets unter Berücksichtigung beider Ebenen geplant werden.

Eine frühzeitige rechtliche Beratung kann Unternehmen und Investoren dabei helfen, regulatorische Risiken zu erkennen, notwendige Genehmigungen und Meldungen korrekt vorzubereiten und Kapitalmarkttransaktionen rechtssicher umzusetzen.

 

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