Kapitalmarkt in Island
Kapitalmarkt in Island: Rechtliche Grundlagen, Börse und Anlegerschutz
Der isländische Kapitalmarkt ist ein wichtiger Bestandteil des nationalen Finanzsystems und ermöglicht Unternehmen, Staaten und anderen Emittenten die Aufnahme von Kapital über Aktien, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Gleichzeitig bietet er Anlegern verschiedene Möglichkeiten, in isländische und internationale Unternehmen zu investieren.
Obwohl Island kein Mitglied der Europäischen Union ist, ist das Land Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Daher orientiert sich ein wesentlicher Teil des isländischen Kapitalmarktrechts an europäischen Vorschriften. Dies betrifft unter anderem die Regeln für Wertpapierdienstleistungen, Marktmissbrauch, Prospekte und Transparenzpflichten.
1. Rechtliche Grundlagen des isländischen Kapitalmarktes
Eine zentrale Rechtsgrundlage bildet das Gesetz Nr. 115/2021 über Märkte für Finanzinstrumente (Act on Markets in Financial Instruments). Das Gesetz ist seit dem 1. September 2021 in Kraft und setzt wesentliche Vorgaben der europäischen MiFID-II-Richtlinie in isländisches Recht um. Gleichzeitig wurde damit auch der europäische MiFIR-Rahmen in das isländische Recht integriert.
Daneben bestehen weitere wichtige Gesetze, unter anderem über:
- öffentliche Angebote und Prospekte,
- die Offenlegungspflichten von Emittenten,
- Marktmissbrauch,
- Übernahmen,
- zentrale Wertpapierverwahrung und Abwicklung,
- Aktiengesellschaften und
- die Tätigkeit von Finanzunternehmen.
Damit besteht ein umfassendes Regelwerk für die Ausgabe, den Handel und die Verwahrung von Finanzinstrumenten.
2. Die Rolle der Zentralbank von Island
Die Central Bank of Iceland (Seðlabanki Íslands) nimmt eine zentrale Rolle bei der Überwachung des isländischen Kapitalmarktes ein. Ihre Finanzaufsicht überwacht unter anderem Börsen und andere regulierte Märkte, multilaterale Handelssysteme, zentrale Wertpapierverwahrer sowie bestimmte Finanzunternehmen und deren Wertpapierdienstleistungen.
Die Aufsicht soll insbesondere gewährleisten, dass der Handel ordnungsgemäß funktioniert, Preise sich unter normalen Marktbedingungen bilden und Marktteilnehmer die geltenden gesetzlichen Vorschriften einhalten.
Darüber hinaus überwacht die Zentralbank die Offenlegungspflichten von Emittenten und kann bei Verdachtsfällen von Marktmissbrauch entsprechende Untersuchungen durchführen.
3. Nasdaq Iceland als regulierter Markt
Der wichtigste organisierte Aktien- und Wertpapiermarkt Islands ist Nasdaq Iceland (Kauphöll Íslands). Die Börse ist ein regulierter Markt und unterliegt der Aufsicht der isländischen Finanzaufsicht.
Für die Zulassung von Finanzinstrumenten gelten bestimmte Anforderungen. Unternehmen, deren Aktien oder Anleihen zum Handel zugelassen werden sollen, müssen unter anderem die geltenden Zulassungs- und Informationspflichten erfüllen.
Die Börsenregeln orientieren sich außerdem an verschiedenen europäischen Regelwerken, darunter MiFID II, die Transparenzrichtlinie, die Marktmissbrauchsverordnung und die Übernahmerichtlinie.
4. Aktien und Anleihen
Aktien gehören zu den wichtigsten Finanzinstrumenten des Kapitalmarktes. Durch eine Aktienemission können Unternehmen Eigenkapital aufnehmen und Investoren im Gegenzug Beteiligungsrechte gewähren.
Daneben besitzt der Anleihemarkt eine große Bedeutung. Unternehmen und andere Emittenten können durch die Ausgabe von Anleihen Fremdkapital aufnehmen. Anleger erhalten dafür grundsätzlich einen Anspruch auf Zins- und Rückzahlungen entsprechend den Bedingungen der jeweiligen Anleihe.
Für beide Instrumente gelten unterschiedliche rechtliche Anforderungen hinsichtlich Ausgabe, Information, Handel und laufender Berichterstattung.
5. Öffentliche Angebote und Prospektpflicht
Wenn Wertpapiere öffentlich angeboten oder zum Handel an einem regulierten Markt zugelassen werden sollen, können besondere Prospektanforderungen gelten.
Der Prospekt soll Anlegern wesentliche Informationen über den Emittenten und das angebotene Finanzinstrument zur Verfügung stellen. Dazu gehören beispielsweise Angaben zur Geschäftstätigkeit, zur finanziellen Situation, zu den mit der Investition verbundenen Risiken und zu den Bedingungen des Wertpapiers.
Die isländische Zentralbank weist darauf hin, dass sie Prospekte bestätigt, die bei öffentlichen Angeboten oder bei der Zulassung von Wertpapieren zu einem regulierten Markt erforderlich sind. Ziel ist es, Anlegern eine fundierte Investitionsentscheidung auf Grundlage ausreichender Informationen zu ermöglichen.
6. Offenlegungspflichten der Emittenten
Börsennotierte Unternehmen unterliegen umfangreichen Informationspflichten. Sie müssen bestimmte Informationen rechtzeitig und gleichberechtigt gegenüber dem Markt veröffentlichen.
Nach dem Act No. 20/2021 on the disclosure obligations of issuers of securities and disclosure of major holdings bestehen insbesondere Pflichten zur Veröffentlichung regulierter Informationen und zur Meldung bestimmter bedeutender Beteiligungen.
Diese Regeln sollen verhindern, dass einzelne Anleger aufgrund eines Informationsvorsprungs ungerechtfertigte Vorteile erhalten. Eine transparente und gleichberechtigte Informationsversorgung ist daher ein wesentlicher Bestandteil des isländischen Kapitalmarktes.
7. MiFID II und Schutz der Anleger
Die isländische Umsetzung von MiFID II enthält umfangreiche Anforderungen an Wertpapierfirmen und andere Unternehmen, die Investmentdienstleistungen anbieten.
Die Vorschriften betreffen unter anderem:
- Zulassung und Organisation von Wertpapierfirmen,
- Wohlverhaltenspflichten,
- Kundeninformationen,
- Anlegerschutz,
- Transparenz,
- Ausführung von Kundenaufträgen,
- sowie bestimmte Anforderungen an Handelsplätze.
Die Zentralbank weist ausdrücklich darauf hin, dass der MiFID-II-Rahmen unter anderem strengere Anforderungen an Genehmigungen, organisatorische Strukturen, Anlegerschutz und Geschäftspraktiken vorsieht.
8. Marktmissbrauch und Insiderhandel
Ein besonders wichtiger Bereich des Kapitalmarktrechts ist die Bekämpfung von Marktmissbrauch. Dazu gehören insbesondere Insiderhandel, die unrechtmäßige Weitergabe von Insiderinformationen und Marktmanipulation.
Island hat mit Act No. 60/2021 on Actions against Market Abuse die europäische Marktmissbrauchsverordnung (MAR) in den isländischen Rechtsrahmen integriert. Das Gesetz trat am 1. September 2021 in Kraft.
Emittenten müssen daher insbesondere mit kursrelevanten Insiderinformationen sorgfältig umgehen. Die Veröffentlichung solcher Informationen soll sicherstellen, dass Anleger Zugang zu wesentlichen Informationen erhalten und der Markt fair funktioniert.
9. Übernahmen börsennotierter Unternehmen
Der Erwerb eines börsennotierten Unternehmens unterliegt ebenfalls besonderen kapitalmarktrechtlichen Regeln. Das isländische Recht enthält hierfür unter anderem Regelungen über Übernahmen von Emittenten, deren Wertpapiere an einem regulierten Markt zugelassen sind.
Bei größeren Beteiligungserwerben können Meldepflichten und weitere gesetzliche Anforderungen entstehen. Ziel ist insbesondere, Transparenz über Veränderungen der Eigentums- und Kontrollverhältnisse zu schaffen und die Interessen der Minderheitsaktionäre zu schützen.
10. Zentrale Wertpapierverwahrung und Abwicklung
Neben dem eigentlichen Börsenhandel ist die sichere Verwahrung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften von großer Bedeutung.
In Island gelten hierfür unter anderem die Vorschriften des Act No. 7/2020 on Central Securities Depositories and Settlement and the Electronic Registration of Financial Instruments. Die Zentralbank überwacht entsprechende Einrichtungen und deren Tätigkeit.
Nach den Angaben der Zentralbank sind in Island zwei zentrale Wertpapierverwahrer tätig: Verðbréfamiðstöð Íslands (VBM) und Nasdaq CSD Iceland, die isländische Niederlassung der Nasdaq-CSD-Gruppe.
11. Investmentfonds und andere Finanzprodukte
Der isländische Kapitalmarkt umfasst nicht nur Aktien und Anleihen. Auch Investmentfonds und andere Finanzprodukte unterliegen der Finanzaufsicht.
Die Zentralbank überwacht unter anderem Fonds und Fondsverwaltungsgesellschaften sowie verschiedene andere Einrichtungen des Wertpapiermarktes.
Für Anleger bedeutet dies, dass bei der Auswahl eines Finanzdienstleisters nicht nur die wirtschaftlichen Chancen einer Investition, sondern auch die regulatorische Zulassung und der rechtliche Status des Anbieters berücksichtigt werden sollten.
12. Rechtliche Unterstützung durch cosmos legal Cabinet juridique
Kapitalmarkttransaktionen gehören zu den komplexesten Bereichen des Wirtschaftsrechts. Bei einer Emission, Börsenzulassung, Übernahme oder internationalen Investition können Gesellschaftsrecht, Kapitalmarktrecht, Steuerrecht und regulatorische Vorschriften gleichzeitig relevant sein.
cosmos legal Cabinet juridique kann Unternehmen und Investoren bei der rechtlichen Orientierung und Strukturierung kapitalmarktrechtlicher Vorgänge unterstützend begleiten. Besonders bei grenzüberschreitenden Transaktionen kann die Prüfung der isländischen und gegebenenfalls ausländischen Vorschriften von besonderer Bedeutung sein.
Fazit
Der isländische Kapitalmarkt verfügt über einen umfassenden regulatorischen Rahmen, der eng an die europäischen Kapitalmarktstandards angelehnt ist. Die Central Bank of Iceland übernimmt eine zentrale Aufsichtsfunktion, während Nasdaq Iceland als regulierter Markt eine wichtige Rolle für den Handel mit Aktien, Anleihen und anderen Finanzinstrumenten spielt.
Für Emittenten sind insbesondere Prospekt- und Offenlegungspflichten relevant. Wertpapierfirmen müssen umfangreiche Anforderungen aus dem MiFID-II-Rahmen erfüllen, während die Regeln gegen Insiderhandel und Marktmanipulation einen fairen und transparenten Handel gewährleisten sollen.
Unternehmen und Investoren, die auf dem isländischen Kapitalmarkt tätig werden möchten, sollten daher die gesellschaftsrechtlichen, regulatorischen und kapitalmarktrechtlichen Anforderungen bereits vor Beginn einer Transaktion sorgfältig prüfen.
